Wandersegelflug 2016 (diesmal nur mit zwei Ka 6en)

Für dieses Jahr hatten wir verabredet, der Einladung des Segelflugvereins Rhönflug Fulda zum Youngtimertreffen auf die Wasserkuppe zu folgen. Außer unserer Gruppe gibt es offensichtlich weitere begeisterte Flieger, die ihre „alten“ Schätzchen weiter betreiben. Mit zwei Ka6-en hatten wir uns angemeldet. Außerdem wollten wir, falls das Wetter es zuläßt, in einem zweiten Anlauf versuchen, den von den Görlitzer Segelfliegern ausgeschriebenen LaWa- Pokal zu erfliegen. Mein erster Versuch scheiterte nach einem Non-Stopp-Flug von Ehlershausen nach Görlitz an den widrigen Wetterverhältnissen (immer kräftiger Wind aus West).

Eingeplant war eine Zeitspanne von 8-10 Tagen. Außer den vier Piloten Campino, Jerry, Frank und Carsten kamen drei „Senioren“- Helfer mit: Dieter, Otfried und Heiner mit seinem Bulli.

Treffen war am 6.August auf unserem Heimat-Flugplatz „Großes Moor“. Jerry und ich hatten die beiden Ka6-en bereits am Vortag aufgerüstet, ein wenig aufgehübscht und flugfertig gemacht, außerdem notwendiges Equipment verpackt und die Hänger gecheckt.

Am Starttag war der Himmel verhangen, kräftiger Westwind (was auch sonst) und niedrige Basis. Laut Wetterbericht sollte es jedoch stellenweise gute Thermik geben, allerdings eher östlich unseres vorgesehenen Kurses. Also erst mal alles in Ruhe startfertig machen und abwarten.



Als dann um 11.33 Ortszeit die Wölkchen Hoffnung auf ein oben bleiben machten, ließ ich mich im F-Schlepp auf 600m schleppen. Jerry sollte hinterher kommen. Obwohl unser Mofa schon Kurs gegen den Wind genommen hatte, fiel es mir bei der Windstärke schwer, nicht nach Osten hinter den Platz getrieben zu werden, bevor Jerry dazu stoßen würde. Es ging nicht sehr hoch (max 1000m)und bei jedem Kreis in schwacher Thermik war ich ein paar Kilometer weiter östlich.

Schäferstuhl zum Glück von oben

den Harz überflogen

Irgendwie klappte unsere Absprache nicht, Jerry klinkte weit westlich von mir aus und versuchte Anschluss an die Thermik zu bekommen. Nach einigem Hin und her musste er dann eine elegante Landung auf einem Acker nicht weit vom Flugplatz machen. Glücklicherweise waren die Rückholer ja in der Nähe. Für mich galt nun die Devise: So weit wie möglich allein Richtung Wasserkuppe zu fliegen. Also hangelte ich mich Richtung Süden, möglichst immer Flugplätze in erreichbarer Entfernung. Leichter gesagt als getan. Peine Glintbruchkippe war erstes Ziel. Trotz heftigem Vorhaltewinkel hätte ich den Platz nur mit Mühe erreicht.  Hauptsache oben bleiben. In Höhen zwischen 500 und 1000m segelte ich bis zum Schäferstuhl. Fand mich allerdings in nur noch 260m über Grund, sodass ich vorsichtshalber schon mal meine Landung ankündigte. Die Rückmeldung vom Schäferstuhl: Achtung 15 Knoten Rückenwind bei der Landung. Ich kannte zwar die Verhältnisse dort ein wenig, hatte aber doch ein ungutes Gefühl bei der Aussicht, mit einer Geschwindigkeit von 120 oder 130km/h hangaufwärts landen zu müssen. Jedes aufwärts gerichtete Lüftchen musste herhalten, um die Landung zu vermeiden. Schließlich ergatterte ich nach wiederholtem Abfliegen von Hängen, Feldern und Waldkanten den rettenden Aufwind, der mich dann oh Wunder mit 2m/sec bis auf 1200m empor hob. Nun die Entscheidung, den Harz westlich oder östlich umfliegen. Ein Vereinskamerad hatte mir morgens geraten, westlich um den Harz zu fliegen, dort würde bei dem Wind das bessere Steigen zu erwarten sein. Der Wetterbericht hatte vor Überentwicklung westlich des Harzes gewarnt. Vorsichtig flog ich Richtung Westharz und sah dann schon die dunklen Wolkenmassen am Westrand stehen. Einen ersten zaghaften Versuch den Harz westlich des Brockens zu überfliegen habe ich bald aufgegeben angesichts der Waldflächen ohne Außenlandemöglichkeit und meiner beschränkten Höhe. Ringsum war es schon verdächtig dunkel, zum Glück konnte ich auch ohne Sonneneinstrahlung Thermik erwischen, die sich an den Hängen ablöste. Über Goslar und den Flugplatz Bollrich, der mich als Außenlandeflugplatz schon magisch anzog, bin ich dann vor den bedrohlichen Wolkenansammlungen geflo(h)gen, immer entlang der Nordkante des Harzes. Nach Osten und Nordosten sah das Wetter richtig gut aus, leider nicht mein Kurs. Ja, ich hätte auch Richtung Südosten fliegen können, aber dann gegen den Wind zurück nach Westen? Oder morgen hätte mein Nachfolgepilot dann gegen den Wind  zu kämpfen gehabt. Also versuchen gen Süden zu kommen. Zur Not bis Frankenhausen, den Platz hatten wir uns als mögliche Zwischenstation schon ausgeguckt. Als ich unvermutet bis auf 1500m steigen konnte und in den flacheren Gebieten des Ostharzes zwischen großen Steinbrüchen auch mögliche Außenlandefelder in Sicht kamen, wagte ich den Sprung über die Berge, immer unter Wolkenfetzen entlang und kam mit 600m am Südrand des Harzes an. Ein wenig suchen und probieren, der Wind musste ja an den vorspringenden Hügeln irgendwo warme Luft emporspülen. Es klappte auch so leidlich. Sogar das Handy funktionierte hier und ich konnte eine kurze Standortbeschreibung an die Bodenmannschaft durchgeben. Flugplatz Nordhausen ist in Sicht. Von nun an habe ich mich unter Wolkenresten, die trotz fehlender Sonneneinstrahlung unter der höheren fast geschlossenen Wolkendecke zu sehen waren gegen den Wind vorgearbeitet, möglichst ohne Kreise und mit verhaltener Geschwindigkeit. Dann Wechsel zu den nächsten südlich stehenden Wölkchen. Bei jedem Kreisen ging es stramm nach Osten, sodass sich ein Zickzackkurs ergab. Dass es überhaupt reichte, um oben zu bleiben und sogar noch in Richtung Ziel voranzukommen, war eine tolle Erfahrung. Bis auf wenige kurze blaue „Löcher“ war der Himmel grau, mit vereinzelten etwas strukturierteren Wolken, die sich darunter zeitweise bildeten, aber auch schnell wieder verschwanden.

abendliches Chillen in Stauffenbühl

So ging es über hügelige Landschaft nach Thüringen und Hessen, vorbei am Flugplatz Mühlhausen und schnell drehenden Windrädern.     

Viel Geduld beim „Jo-Jo“:  ein wenig Steigen, einkreisen, zentrieren und beim Vorfliegen dann erkennen, dass praktisch keine Höhe gewonnen wurde. Also hätte ich mir das auch schenken können. Ein Mindestwert von durchschnittlichem Steigen musste es schon sein, damit sich das Einkreisen lohnte. Die maximale Höhe wurde mit fortschreitender Zeit jedoch  immer geringer, das Navi zeigte an, dass der Flugplatz Stauffenbühl bei Eschwege mit 50m plus zu erreichen war. Da der Tag langsam zur Neige ging und Thermik immer weniger zu erwarten war, vertraute ich auf das Navi und ließe die Ka6 in Richtung Eschwege gleiten. An den Hügeln unterwegs nutzte ich verringertes Fallen und entdeckte erst spät das angepeilte Fluggelände. Im Geradeausflug konnte ich auf eine Platzrunde verzichten und landete glücklich und zufrieden um 16.00 Uhr in Stauffenbühl. Ein roter Traktor kam angefahren und zog meinen Flieger auf die Abstellfläche. Ein kurzes Telefonat mit den Rückholern, dann pilgerte ich zum Start und vertrieb mir die Zeit mit Smalltalk und schönen Ausblicken auf Landschaft und Himmel.

Franki, Jerry und Campino kammen als erste mit Hänger inklusive grüner Ka6 in Sicht. Die beiden „Oldies“ Dieter und Otfried waren deutlich länger unterwegs, da sie nicht auf konkrete Landemeldungen o.ä. gewartet haben und schon in Richtung Frankenhausen, einer möglichen Zwischenstation losgefahren waren. Kurz vor Bad Harzburg mussten sie ihren Kurs ändern.

Heiner war mit seinem Bulli ebenfalls angekommen. Nach dem Einräumen wurden die örtlichen Verhältnisse und Schlafmöglichkeiten erkundet, Zelte aufgebaut und die ersten Biere geöffnet.

Danke für den netten Empfang durch die Stauffenbühler Segelflieger!

Als schließlich Otfried und Dieter ankommen, ist die Stimmung schon ziemlich gut, flüssiger Nachschub ist ausreichend vorhanden und essbare Vorräte werden ausgepackt und vertilgt. Dazu noch leckere Würstchen vom Grill, anschließend Wurstspezialitäten aus der näheren Umgebung, die Dieter K. geordert hatte. Bei untergehender Sonne und angenehmen Temperaturen ein wunderbarer Abend.

Warten auf die Ablösung

Start ins Blau

Dieter und Otfried haben sich dann zu später Stunde nach Eschwege zur Jugendherberge lotsen lassen, wären allerdings aus Versehen beinahe im Fitnessstudio gelandet. Ihre Fitness konnten sie dann aber in der Jugendherberge beweisen, Zimmer mit Dusche gab es nur in der zweiten Etage, ohne Fahrstuhl!

Am nächsten Tag sollte die nur 100 km entfernte Wasserkuppe fliegerisch bezwungen werden. Erst mal ein ausführliches Frühstück mit frischen Brötchen, dann wurden unsere Ka6en zum Start gezogen.


Nach mehreren Starts vereitelte der weiterhin starke Westwind und eine stabile Luftschichtung größere Distanzen, sodass Campino in Berka/Werra und Franki in Kirchhossbach außenlanden mußten. Gegen Abend erreichten wir mit letztem Büchsenlicht die Wasserkuppe und die Segelflieger des Youngtimer Treffens, die sich bereits bei Bier und Gegrilltem zusammengefunden hatten.

Abendwelle Wasserkuppe

unsere Oldies

Jerry schreibt:

Am nächsten Tag erfolgte bei einem Briefing duch Harald Jörges eine Einführung in den Ablauf der vielfältigen fliegerischen Aktivitäten der Motor-, Segelflieger, der Drachenflieger/Paragleiter an der Kuppe. Am  „Weltensegler- Hang“ wurden dann die Holzschätzchen zusammengesteckt. Gemeinsam mit den Teams der übrigen 15 Oldtimer- Segelflugzeuge (u. a. Ka6, Ka8, Ka2, Ka18, Hütter 28, Fokka) aus drei Nationen führten wir dann diverse Windenstarts mit Flügen bis in Höhen von 1.200m über NN durch, um das örtliche Terrain zu erkunden. Da sich das Wetter in den Folgetagen nicht wesentlich besserte, unternahmen wir Ausflüge in die Umgebung, besuchten mit anderen Oldtimerfreunden u. a. das Segelflugmuseum, das Segelflugdenkmal und weitere historische Gebäude an der Wasserkuppe und ließen es uns ansonsten gut gehen.

Am Donnerstag sollte sich das Wetter verbessern, sodass wir dann die 2. Mission unseres diesjährigen Wandersegelflugs in Angriff wollten – nein mussten!  Es ging um den Gewinn des „LaWa- Pokals“,  den Carsten im Netz in Erfahrung gebracht hatte.
 Im Rahmen des Rhön- Wettbewerbs im Juli 1934 legte der bedeutende Segelflugpionier Wolf Hirth eine Strecke von 352 km von der Wasserkuppe nach Görlitz zurück und erreichte somit den ersten Streckenflug über 300 km – bis dato Weltrekord! Das ist für den Görlitzer Flugsportclub Anlass, jährlich einen Wanderpokal mit einem Preisgeld von 1.000 € für die damalige Rekordstrecke im Segelflug Wasserkuppe – Görlitz auszuschreiben, um so den Überlandflug zu fördern.
 Bis zu diesem Zeitpunkt hatte erst ein Kunststofflieger aus dem Süddeutschen das Ziel mit einem ansehnlichen Schnitt erreicht. Aufgrund des besseren Faktors der Ka 6 und dem angekündigten Rückenwind mit hoffentlich guter Thermik schien es für uns im Bereich des Möglichen, einen besseren Schnitt zu fliegen und den Pokal zu gewinnen!

Um noch am Vorabend vor dem ersten Bier die Flugzeugverteilung zu klären, wurde geknobelt. Glückliche Gewinner waren Campino und Carsten, der darauf brannte, die Ka 6 mit einem errechneten Schnitt von hoffentlich mehr als 75 km/Std. ins Ziel zu treiben. So konnten Franki und ich noch einen netten und langen Abend mit den übrigen Youngtimer- Piloten verbringen, die wir von unserem Vorhaben informiert und gleichfalls infiziert hatten! Allerdings waren wir die einzigen, die das Vorhaben angehen wollten.


Nach ausführlichem gemeinsamen Frühstück in der wärmenden Sonne im Windschatten der Halle entwickelte sich das Wetter wie versprochen. Zügig aufbauen und früh starten, dann ging es für Carsten und Campino mit einer Arbeitshöhe von 600 m bei eher winterlichen Temperaturen auf Strecke. (Hans, danke für die Handschuhe)

Während sich Heiner, der uns freundlicherweise den Bully als 2. Rückholfahrzeug zurückließ, gemeinsam mit Dieter und Ottfried wieder nach Ehlershausen aufmachte, verabschiedeten Franki und ich uns von den netten Youngtimer- Fliegern sowie von Hans* und Doris, die uns zwischenzeitlich besucht hatten und machten uns gegen Mittag nach Osten in Richtung Görlitz auf.
 Während der langen Fahrt durch den hügeligen Mittelgebirgsbereich erreichte uns am Nachmittag die frohe Kunde, dass nicht nur Carsten die Ziellinie am Görlitzer Flugplatz mit einem beachtlichen Schnitt überflogen, sondern auch Campino die lange Strecke bei sehr schwierigen Wetterverhältnissen und zwischenzeitlich fast vollzogener Außenlandung glücklich erreicht hatte. Der Pokal und das versprochene Preisgeld gehen nun vermutlich erstmalig nach Ehlershausen!

Die tolle Leistung wurde nach unserem Eintreffen ausgiebig und zünftig in einer netten Kneipe in der Görlitzer Altstadt gefeiert.

alpenländische Ka6en

der Fliegerberg

unsere Gelbe

das letzte Frühstück auf der Kuppe

Am nächsten Tag war das vergleichsweise gute Wetter leider passee, so dass wir nach einem schönen Stadtbummel durch Görlitz bei Regen die Heimreise nach Ehlershausen antraten und mit beginnender Dämmerung etwas überraschend dort eintrafen. 

Jetzt müssen wir noch bis zum 15.09.2016 warten, um die endgültige Wertung für den LaWa-Pokal zu erfahren. Wir sind gespannt.

*die Geschichten von Hans Flügen mit Ka6 in „grauer Vorzeit“ solltet ihr euch mal erzählen lassen

Carsten schreibt:

Der Flug nach Görlitz war schon spannend. Zunächst ging es von der Wasserkuppe aus mit wenig Höhe über Grund vorsichtig unter den sich rasant (über)entwickelnden Wolken entlang Richtung Thüringer Wald. Bei wenig Arbeitshöhe haben Campino und ich uns schon bald aus den Augen verloren, weil ein wenig Abstand bei dem Wind schnell zu unterschiedlichen Höhen und zwangsweise unterschiedlichen Entscheidungen führte. Man konnte schlecht „warten“, zumal ja auch ein möglichst guter Schnitt erflogen werden sollte. Ich flog unter einer schon ziemlich dunklen Wolke entlang und war mir eigentlich sicher, dass es irgendwo Steigen geben musste. Allerdings erst hinter der Wolke in Windrichtung konnte ich einen unrunden Bart erwischen. Der Flugplatz Dolmar war schon als mögliche Außenlandung im Visier. Mit Hilfe des Windes ging es dann bis an den Thüringer Wald, knapp über die ersten Erhebungen, den Flugplatz Suhl nun als nächste Station und schon fast im Landemodus. Mit der Erinnerung an die Hangflüge im Frühjahr in den Alpen ließ ich mich bis an den Hang gleiten. Dort konnte ich mit 0 m/sec einige Male hin- und herfliegen, bis sich tatsächlich ein kleiner Warmluftschwall ablöste und mich über den Hang liftete. Oben auf dem Thüringer Wald konnte ich ein mögliches Notlandefeld ausmachen, auf dem ich die Ka6 bei dem Wind einigermaßen sicher würde landen können. Die vielen Bäume ringsum machten mich allerdings doch etwas nervös. Zum Glück versetze mich jeder Kreis ohne viel Sinken weiter nach Osten, sodass ich es dann wagen konnte, in die Ebene nach Sachsen abzugleiten. Sozusagen von Feld zu Feld habe ich mich weitergeschlichen, immer mit bestem Gleiten bis tatsächlich vor einem Hügel mit Waldkante der erlösende Aufwind kam. Was für eine Freude. Beim Blick auf den Boden rätselte ich dann über den genauen Auslösepunkt für diesen Rettungsanker. Hier ging es dann sogar bis in ungeahnte Höhen von ca. 2000m. Sollte es so weiter gehen?? Auch wenn ich dem noch nicht ganz traute, habe ich erst mal ein wenig Gas gegeben und wurde nach längeren Gleitstrecken wieder belohnt. Schon erstaunlich, wie schnell die Landschaft auch unter einer Ka6 nach hinten verschwinden kann. Gen Osten waren jetzt klare Wolkenaufreihungen auszumachen, allerdings mit reichlich großen Abständen dazwischen. Es lief einfach gut. Auf der Höhe von Gera musste eine Entscheidung her, lieber nördlich zu den besser aussehenden Wolken (dann wäre aber ein großer Bogen um die Kontrollzone Dresden vonnöten) oder Wechsel mehr nach Süden trotz nicht ganz so verlockend aussehender Wolken bzw. Wolkenreste. Ich habe mich für den südlichen Kurs entschieden. Bald war ich nah an der Flugbeschränkungszone, der Wind schob mich immer in Richtung Flugbeschränkungsgebiet. Mit Mühe konnte ich nach Süden ausweichen (die Thermik stand natürlich im Beschränkungsgebiet) und musste dann mit mäßigem Steigen hinter Zwickau etwas Luft unter die Flächen bekommen. Wunderbare Aussichten auf die Berge, dann weites Abgleiten bis an die tschechische Grenze und das Elbsandsteingebirge und die zweifelhafte Aussicht hier eventuell landen zu müssen. Viel Wald und der enge Durchbruch der Elbe, nicht gerade verlockend. Sonne war kaum noch vorhanden, dafür dicke ausgebreitete Quellungen. Einen fast schwarzen Bereich habe ich mir ausgesucht, dort fing es an zu regnen, - aber es ging tatsächlich trotzdem aufwärts. Inzwischen schien Richtung Görlitz wieder ein wenig Sonne, alte Wolkenbänke hatten sich aufgelöst und die ersten neuen Tupfer schienen sich zu bilden. Jetzt den richtigen Zeitpunkt erwischen und nichts wie hin. Es klappte. Noch vorsichtig empfingen mich die Wölkchen tatsächlich mit den ersehnten Aufwinden. Nun musste ich zwar mit Seitenwind auf meinen Kurs, war meinem Ziel aber schon unglaublich nah. Wo war der Platz noch gleich? Mein Navi sagte mir bald, dass ich die Endanflughöhe erreicht hatte. Fast schon ein wenig übermütig hielt ich auf einen Ort zu, den ich für Görlitz hielt. Glücklicherweise habe ich meinen Irrtum noch rechtzeitig erkannt, den Kurs korrigiert und dann überglücklich den ersehnten Zielflugplatz angesteuert. Wie zum Hohn standen hier wieder knackige Wolken herum, die ich jedoch ignorierte, da ich ganz auf mein Ziel fixiert war. Nach kurzem Funkspruch machte der Traktor die Landegasse frei und, .... Landung gut, alles gut.

Der glückliche Pilot in Görlitz

Zufrieden ließ ich die Ka6 vor die Hallen schleppen und konnte den Rückholern die erfolgreiche Landung in Görlitz melden, ein „Beweisfoto“ anfertigen lassen, das erste Bier genießen und abwarten, was mit Campino ist.

Ungefähr eineinhalb Stunden später hörte ich in der Flugleitung einen undeutlichen Funkspruch, Campino war mit der grünen Ka6 im Anflug auf Görlitz. Nach wenigen Minuten sah ich ihn anschweben und konnte einen geschafften, aber glücklichen Piloten begrüßen. Das nächste Bier schmeckte doppelt so gut!


Anschließend konnten wir, weil Regen angesagt war, unsere beiden Holzschätzchen abgerüstet in der Görlitzer Werkstatt zwischenlagern.

Nach langer Tour bogen am Abend die beiden Rückholfahrzeuge um die Ecke. Nach zünftiger Feier in Görlitz konnten wir uns endlich mal wieder in „richtige Betten“ im Görlitzer Clubhaus legen. Tiefschlaf.... bis zum nächsten Ka-6 - Abenteuer.

Dank an alle Beteiligten, die Segelflieger in Eschwege, auf der Wasserkuppe und in Görlitz ! Der Pokal hat bis zum nächsten Jahr einen Ehrenplatz. 

Carsten Möller

back home: Kampino, Frank, Jerry und ich

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Hier erfahren Sie alles zum Datenschutz