Sechs frischgebackene Piloten

16. September 2020

Anfang September besuchten die Prüfer Thomas Schüttoff und Dieter Obert den Flugplatz Großes Moor in der Nähe von Ehlershausen und nahmen gleich sechs praktische Prüfungen für die Segelfluglizenz ab. Carlos Menke (18), Justus Sander (16), Philipp Lange (18), Carl Bödecker (18), Tim Bauer (19) und Werner Hartmann (40) konnten ihre Ausbildung zum Segelflieger damit beenden und sind jetzt nicht mehr auf ihre Fluglehrer angewiesen. Wir gratulieren zum Scheinerhalt und blicken mit ihnen auf die Ausbildung und ihre Zeit als Flugschüler zurück.

Wie seid ihr denn zum Segelfliegen gekommen?

Justus: Ich habe mich schon lange für die Luftfahrt interessiert und bin auch viel Simulator am Computer geflogen. Ein Freund von mir hat dann einmal ein Schnupperwochenende im LSV Burgdorf gemacht und war total begeistert. Daraufhin bin ich am Tag der offenen Tür zum Flugplatz gegangen und war ebenfalls begeistert, kurz darauf habe ich dann schon mit der Ausbildung angefangen.

Carl: Ich habe mich schon immer für die Fliegerei interessiert und wollte unbedingt selbst hinter das Steuer eines Flugzeugs. Ich bin dann einfach mal mit einem Freund mitgekommen, der zu diesem Zeitpunkt schon Segelflieger war. Nachdem ich das erste Mal mitgeflogen bin, war mir klar, dass das genau das ist, was ich auch machen möchte.

Bis man ein Flugzeug fliegen kann und vor allem auch alleine fliegen darf, vergeht immerhin mehr Zeit als bloß ein-zwei Wochenenden. Segelfliegen sei ja ein sehr zeitintensives Hobby, hört man immer wieder. Wie lange dauert denn eine Ausbildung zum Segelflugzeugführer?

Justus: In der Regel dauert die Ausbildung 2-3 Jahre bei einem Verein, es geht aber theoretisch auch in 4-5 Monaten bei einer Flugschule.

Carl: Man muss dazu sagen, dass es beim Segelflugschein anders ist als beim Führerschein. Beim Führerschein besucht man die Fahrschule nur, um den Theorie-Unterricht hinter sich zu bringen und man macht nur so viele Fahrstunden wie nötig sind. Beim Segelfliegen ist das Ganze ein bisschen anders. Man kommt nicht nur zum Flugplatz, um Fliegen zu lernen, sondern auch, um Zeit mit Freunden zu verbringen, gemeinsam zu grillen oder Flugzeuge instand zu halten. Die Lizenz steht – anders als beim Führerschein – nicht direkt im Mittelpunkt, sondern ist etwas, auf das man langsam, aber mit viel Spaß hinarbeitet. Bei manchen dauert das länger, bei anderen geht es ein wenig schneller. Allerdings darf man schon alleine fliegen, bevor man die Lizenz hat. Das geschieht dann aber unter Aufsicht eines Fluglehrers und in der Nähe des Flugplatzes. Ich habe jetzt nach fast fünf Jahren meine Lizenz. Bis es soweit war, habe ich zahlreiche Flugstunden absolviert, bei denen ich viele schöne Erlebnisse gesammelt habe. Mein schönstes Erlebnis war mein erster Alleinflug. Das Gefühl zum ersten Mal ein Flugzeug ganz alleine zu starten, zu fliegen und zu landen, war einfach unvergesslich.

Oft beschwören Piloten ja die besondere Schönheit ihres Sports. Was ist aus Eurer Sicht der Reiz am Segelflug?

Justus: Ich finde das Beste am Segelfliegen ist ohne jegliche Motoren, nur durch Naturkräfte, über mehrere Stunden hinweg große Distanzen fliegen zu können. Außerdem hat man wunderschöne Aussichten auf die Landschaft und auf die Wolken, was atemberaubend ist.

Carl: In der Luft die Welt von oben zu sehen, öffnet einem eine völlig neue Perspektive. Außerdem scheint alles, was am Boden so passiert, weit weg, sodass man für die Zeit, in der man in der Luft ist, eine beruhigende Pause vom Alltag hat. Während der Segelflugausbildung lernt man sehr viel über Natur und Technik. Oft lässt sich dieses erlernte Wissen auch im Alltag oder in der Schule einsetzen. Darüber hinaus hab ich Auto fahren auf dem Flugplatz gelernt, sodass ich mir in der Fahrschule viele Fahrstunden gespart habe. Das flugplatzeigene Auto darf man fahren, sobald man alleine fliegen darf, um die Seile von der Winde zurück zum Start zu ziehen.

Tim: Überhaupt ist es ein klasse Gefühl, alleine im Flugzeug zu sitzen und die vollständige Kontrolle zu haben, während man mit Vögeln und anderen Segelfliegern umhergleitet. Mit jeder Umschulung erreicht man ein Flugzeug mit besserer Gleitzahl (Flugleistung) und anderen Eigenschaften, was echt gut übt.

Zurück zur Segelflugausbildung. Welche Stationen durchläuft jemand, der sich für eine Ausbildung beim Luftsportverein Burgdorf entscheidet?

Justus: Die Ausbildung wird in drei Teile (A, B, C) unterteilt. Im ersten Teil erlernt man die Grundlagen für ein sicheres Fliegen, er wird mit dem ersten Alleinflug beendet. Im zweiten Teil verfeinert man die fliegerischen Fähigkeiten und lernt andere Flugzeuge kennen. Im letzten Teil erlernt man Dinge, die man für lange Streckenflüge beziehungsweise Überlandflüge braucht, er wird mit dem ersten Überlandflug beendet.

Philipp: Aber angefangen wird die Ausbildung mit doppelsitzigem Fliegen. Die Fluglehrer bringen einem so das Fliegen bei, sodass man bald darauf, unter Beobachtung des Fluglehrers natürlich, alleine fliegen darf.

Carl: Vor der praktischen Segelflugprüfung muss man erst noch eine theoretische Prüfung bestehen. Der Fragenkatalog besteht aus 1600 Fragen aus Themenbereichen der Meteorologie, Navigation, Menschlichem Leistungsvermögen, Flugplanung, Luftfahrzeugkunde, Kommunikation, Betrieblichen Verfahren, Grundlagen des Fliegens und Luftrecht. Die Vorbereitung auf die Prüfung war verglichen zur Führerscheintheorie ziemlich zeitaufwendig. Dementsprechend froh war ich dann, als ich diese Prüfung hinter mir hatte.

Tim: Nach bestandener Theorieprüfung fliegt man dann seinen ersten richtigen Streckenflug, der über 50 km lang sein muss. Danach kann man die praktische Prüfung absolvieren.

Diese Prüfung hat nun heute stattgefunden. Wie ist sie abgelaufen?

Tim: Die Prüfung ist eigentlich nicht schwer. Im Grunde wird ja nur das abgerufen, was man schon eine gute Zeit lang beherrscht und bei normalen Flügen anwendet. Aber nervös war ich trotzdem sehr. Beide Prüfer waren allerdings sehr gelassen und nach ein paar Witzen hat sich die Stimmung merklich bei allen Prüflingen gelockert.

Wie kann man sich so einen Prüfer denn vorstellen und wie verhält man sich da?

Philipp: Der Prüfer arbeitet ehrenamtlich und kommt meist von einem anderen Verein. Mein Prüfer ist früher bei der Bundeswehr Tornado-Kampfjets geflogen, da kommt man natürlich schnell in Plauderlaune. Unter Segelfliegern duzt man sich schließlich grundsätzlich. Nach zwei Platzrunden und etlichen Flugmanövern konnte ich ihn auch ohne Probleme von meinen Fähigkeiten überzeugen.

Was für Manöver waren das?

Carl: Zum Beispiel Kreiswechsel, Hochgezogene Fahrtkurve, Langsamflug und Steilkurve. Da ich aber fast fünf Jahre Zeit hatte, diese Manöver zu üben, stellten diese Aufgaben keine große Hürde dar. „Ich habe keine Lust mehr mit Ihnen zu fliegen. Herzlichen Glückwunsch Sie haben Bestanden“, waren die Worte meines Prüfers zu mir, nachdem wir gelandet sind.


Wesentlich mehr Stunden als in den Flugbüchern der Schüler und Studenten stehen in Werner Hartmanns. Der 40-jährige Geschäftsführer eines Familienunternehmens blickt auf eine abwechslungsreiche fliegerische Vergangenheit zurück und hat Lizenzen für einmotorige Flugzeuge sowie für Hubschrauber inne. Seine Familie hat eine lange Tradition am Flugplatz in Ehlershausen über die damals dort stationierten Motorflugzeuge des Vaters und Großvaters, und die Entscheidung, zum LSV Burgdorf zurückzukehren, stand schließlich auch wieder in Verbindung mit der Familie: „Bei meinen eigenen Kindern wird das Interesse am Fliegen kontinuierlich größer und ich freue mich schon darauf, dieses schöne Hobby gemeinsam mit ihnen auszuüben. Am 27.06. habe ich meine Ausbildung begonnen und am 04.09.2020 mit der Prüfung abgeschlossen. Diese kurze Ausbildungszeit war natürlich nur durch meine Vorkenntnisse möglich.“ So benötigte Werner für seine Prüfung auch nur einen anstatt der sonst üblichen drei Flüge: „Vor der praktischen Prüfung war ich endlich mal wieder aufgeregt. Beim Kennenlernen der beiden Prüfer stellte sich allerdings schnell heraus, dass die Aufregung unnötig war. Ich habe mit Thomas Schüttoff einen schönen Thermikflug mit verschiedenen Übungen gemacht. Nach 24 Minuten sind wir wieder gelandet.“

Für den LSV-Burgdorf nähert sich eine ungewöhnliche Saison dem Ende, die kurz nach dem Beginn durch das Coronavirus unterbrochen wurde und erst später wieder aufgenommen werden konnte, nachdem ein Hygienekonzept für die sichere Durchführung des Flugbetriebs erarbeitet wurde. Umso mehr freuen wir uns über Erfolge in der Ausbildung der Flugschüler.

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